Was Sie vom Boule-Spielen für den Job lernen können

Fairness, Freundlichkeit und Mitgefühl begegnet FOCUS-Online-Expertin Ilona Bürgel beim Boule-Spielen. Und das wünscht sie sich auch für ihren Arbeitsalltag.

Arbeiten Sie so viel und so, wie Sie arbeiten wollen? Zumindest letzteres kann ich vollkommen bejahen. Für ersteres erwische ich mich gerade einmal wieder dabei, dass ich zu viele Stunden arbeite.
Da meine Arbeit mir sehr viel Freude bereitet, mich interessiert und ich viel lerne, kurzum es immer gute Argumente gibt, weiter zu arbeiten, brauche ich einen guten Grund, das zu ändern. Den habe ich gefunden: Ich spiele ab sofort Boule, auch Pétanque genannt.
Dabei werden Metallkugeln so nah wie möglich an eine Zielkugel gespielt.

Die Einstellung macht alles anders

Alles ist hier anders. Ganz französisch sind nicht nur die Fachbegriffe, sondern auch die – zumindest wohl von uns dem Süden zugeordneten – Haltungen.
Wann immer ich zum Spielen gehe, gehe ich in eine andere Welt. Ich gehe ins Freie und sehe den Himmel. Ich treffe vergnügte, entspannte Menschen. Wir sprechen uns mit dem Vornamen an. Wir üben uns in Geduld.
Da es nur Zeiträume zum Spielen gibt, also etwa ab 14 Uhr, kann es gut sein, dass, wenn ich um 15 Uhr komme, gerade alle Spiele laufen und ich warten muss, bis das nächste beginnt und neue Spieler aufgenommen werden.
Als Anfänger finde ich es besonders wohltuend, dass ständig gelobt und ermutigt wird. Du hast eine Kugel weit hinter die zu treffende platziert? Immerhin war die Richtung passend. Du hast einen Stein getroffen? Macht nichts, das kann jedem passieren.
Natürlich gibt es Erwartungsdruck, denn jeder will mit seinem Team gewinnen. Doch es gibt noch viel mehr Fairness, Freundlichkeit und Mitgefühl. Alle lernen von allen. Und alle haben Zeit. Drei, vier, fünf Stunden werden auf dem Platz verbracht. Was für ein Geschenk!
Jeder ist willkommen. Ob alt oder jung, krank oder gesund, die Freude am Spiel verbindet. Je öfter man dabei ist, umso leichter wird es, ins Gespräch zu kommen. Über den Urlaub, über die Kugeln – wo kauft man die besten, die Wettkämpfe, den neuen Platz. Nach einer Weile fiel mir auf, dass keiner von seiner Arbeit berichtet.

Arbeit ist Leben und Leben ist Arbeit

Zunächst – wunderbar. Begegnet mir doch all zu oft genau das Gegenteil. Vor allem, wenn geklagt wird, wiederholen wir die ungerechten oder unangenehmen Begebenheiten des Alltags immer wieder und festigen so unser Unwohlsein und unseren Stress mit der Arbeit.
Ich komme mit einem Mitspieler ins Gespräch, von dem ich weiß, was er beruflich tut, da ich einmal gefragt habe. Wir haben uns länger nicht gesehen und ich frage „wie war der Sommer"? „Es ist nicht so toll gelaufen“, ist seine Antwort.
Ich denke, er spricht über seine Arbeit und bin verwundert, denn seiner Branche müsste es im Sommer gut gehen. Doch er spricht über die Wettkämpfe. Es wird wohl höchste Zeit für mich, etwas zu ändern, wenn ich immer nur an Arbeit denke?

Mehr Privatleben in der Arbeit

Oder ist es nicht vielmehr so, dass die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit eine künstliche ist und es Work-Life-Balance gar nicht geben kann? Weil Arbeit ein wichtiger Teil des Lebens ist. 
Wir sind immer eine Person mit Werten und Wünschen, Träumen und Ängsten, egal ob mit Freunden oder Kunden. Besser wäre also, das, was wir im Privatleben als so angenehm erleben, in die Arbeit mitzunehmen.
Sind wir genauso hilfsbereit, großzügig und freundlich wie beim Spielen, wenn es um den Chef oder Kollegen geht? Warum nicht? Hier liegen unsere Chancen für eine bessere berufliche Zukunft.
Wir wünschen uns doch oft, dass es wie früher wäre, im Sinne von mehr Miteinander. Doch fangen wir selbst damit an?

Sich mit der Arbeit verbunden fühlen

Holen wir auch öfter die guten Seiten unserer Arbeit ins Privatleben. Seien wir stolz auf das, was wir uns aufgebaut haben. Das waren doch wir. Teilen wir unsere Interessen mit anderen. Dadurch lernen sie uns besser kennen und unsere Beziehungen bekommen Tiefe.
Häufig diskutiere ich das Thema Akquise. Es ist, als ob es peinlich und ungehörig sei, in Verbänden und Netzwerken über die eigene Arbeit und die Angebote des Unternehmens, für das wir arbeiten, zu sprechen. Wo wollen wir denn Unterstützung bekommen, wenn nicht unter Gleichgesinnten? Wie sollen Unternehmen denn aufblühen, wenn nicht gut über sie geredet wird? Und wer sollte damit beginnen, wenn nicht die Menschen im eigenen Haus?

Geben wir der Arbeit eine neue Chance

Hier spielt uns wohl die Sättigung und Erschöpfung, die wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, einen Streich. Zu viele Telefonverkäufer, Webegeschenke und Kreditkartenanbieter. Zu viel Anstrengung und falsche Kompromisse bei der Arbeit, so dass es scheinbar immer weniger Gutes darüber zu sagen gibt. 
Wenn wir immer weniger Gutes sagen, werden wir immer weniger Gutes sehen. Denn unser Gehirn formt sich genau nach dem, was wir regelmäßig tun und denken und steuert unsere Wahrnehmung.
Wenn wir Wohlbefinden und Freude bei der Arbeit erwarten, dann ist dies die erste Voraussetzung, dass wir sie auch erleben. 
Viel zu schnell gewöhnen wir uns an die guten Arbeitsbedingungen und sehen den modernen Schreibtisch, das teure Handy, die verlässlichen Kunden gar nicht mehr. Weil der Wohlfühlbotenstoff Dopamin sich abnutzt. Wir nehmen alles als selbstverständlich.

Was wir vom Spielen für das Leben lernen können:

- Ein guter Wurf und ein toller Monatsumsatz sind morgen schon Vergangenheit. Genießen wir daher den Augenblick.
- Arbeit ist Leben und darf deshalb Spaß machen.
- Gelassenheit, Geduld und Wertschätzung haben sich schon immer bewährt. Entdecken wir sie wieder.
- Leben Sie alles, was Sie sich wünschen: Hilfsbereitschaft, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit.
- Sprechen Sie gut über sich, andere und Ihre Arbeit. So wie Sie sprechen, so fühlen Sie sich.
- Unterstützen Sie andere – auch bei der Arbeit. Altruismus ist der Glücksbringer Nr. 1.
- Sorgen Sie gut für sich. Müde und verdrießlich spielt und arbeitet keiner auf Topniveau.

HIER geht es zum Artikel FOCUS-Online-Expertin Ilona Bürgel

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